Vorbeiziehen

Lara_eckert_unterwegsinsachenkunstManchmal überschlagen sich Ereignisse, mit der Option hinterher zu hetzen oder sie vorbei ziehen zu lassen. Ich habe mich für Letzteres entschieden und ein wenig (zwangs)pausiert, um Energien frei werden zu lassen, den Raum mit Nichts zu füllen. Wie das geht? Weiß ich auch nicht. Vielleicht wie diese Umarmung von Lara Eckert, die mich gleich wohlig fasziniert eingenommen hat. Das Werk gabs heuer in München in der Jahresausstellung in der Akademie der bildenden Künste in der Klasse Kneffel zu sehen.

Überhaupt fand ich die diesjährige Jahresausstellung ein wenig nichts-sagend.

Entweder fehlte mir die Muße, tiefer in die präsentierten Werke einzusteigen oder den Kunstschaffenden. Das ist auch egal, denn das Ende bleibt das gleiche. Was nicht heißen soll, dass <Nichts> hängengeblieben ist; nein. Es gab sie vereinzelt und auch als großes Ganzes, wie die Klasse Doberauer -mal wieder – durch und durch komponiert bis ins Detail, großartig. Ece Gauer, Anne Pfeiffer, Steffen Kern, Namen, denen ich immer wieder gerne begegne, die mir sofort ins Auge springen.  Und doch vermisste ich das Vorgreifende, Visionäre, das Wachrüttelnde.

Stattdessen unruhige Themenfelder, schnelllebig, lieblos zusammengeschustert. Gefällig. Hauptsache irgendwas. „Was dem Ökonomen das Wachstum ist, ist dem Künstler die Kreativität die Neues schafft“  – ein schöner Vergleich, den der Philosoph Ralf Konersmann einmal gestellt hat. Dass das Wachstum seine Grenzen hat, legte 1972 ein vom Club of Rome herausgegebenes Buch dar, der den Fortschrittsglauben der westlichen Wohlstandsgesellschaften grundlegend erschütterte. Die darin dargelegten Sorgen um das Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde sind mittlerweile in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Dreizig Jahre später folgte ein update – Signal zum Kurswechsel. Auch in der Kunst wird die Thematik unlängst verarbeitet. So ordnete Olafur Eliasson Ende 2015 in seinem Projekt Ice Watch während der Zeit der UN-Klimakonferenz (COP 21) auf dem Pariser Place du Panthéon zwölf riesige Blöcke aus Grönlandeis in Form einer Uhr an. Die schmelzenden Eisblöcke – ein mahnendes Zeichen des Klimawandels. Ein ganzes Konvolut zu den Grenzen gabs kürzlich im Neuen Museum in Nürnberg zu sehen.

Und wie verhält es sich mit der Kreativität? Kreativität soll ja eher vom Zufall und der Beharrlichkeit abhängen, sozusagen eine experimentelle Basis, so eine nüchterne Bilanz von Psychologen. Einen interessanten Exkurs zur Theamtik von kreativen Rahmenbedingungen gibt es hier zu sehen. Das unlängst lieb gewonnen Buch dazu – aus meinem Bücherregal immer noch nicht wegzudenken und das mag was heißen, zwischen all den Kunstkatalogen. Vielleicht verhilft auch der Einsatz von Computersimulationen zu neuen Ideen. Übrignes;  einen Ansatz dazu gabs bei der diesjährigen Jahresausstellung der Akademie der bildenden Künste  in Münchenzu sehen. Der Besucher konnte mittels einer digitalen Brille, ein virtuelles Interieur in der leeren historischen Aula bestaunen.

Apropos Wachstum und Kreativität, die ziehen ja auch immer Unruhe mit sich her,  in diesem Interview, gibts einen ausfühlicheren Ansatz, warum Unruhe auch ein Passion sein kann.

Doch was wenn die Unruhe lähmt? Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm? Bleibt zu hoffen.

 

 

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