PLAYTIME – Arbeit ist mehr als das halbe Leben

Wurde ja mal wieder Zeit, dass ich über eine Ausstellung schreibe. Nein, es liegt nicht daran, dass es an ihnen mangelt, eher im Gegenteil – viel Interessantes lauert in den Kunsthäusern. Da lockt beispielsweise das BOZAR in Brüssel mit Michael Borremans, die MoMA mit der Retrospektive von Sigmar Polke, das Haus der Kunst mit Matthew Barney oder Florian Süßmayr im Kunstverein Augsburg. Doch mein Focus dreht sich. Temporär vielleicht. Dafür gibt’s viel Neues drumherum, was weitaus bewegender ist. Doch genug meiner einleitenden Worte.  Dank des Osterfeiertags war das Lenbachhaus heute geöffnet. Die Jahreskarte (oh je, wir stecken schon wieder fast in der Mitte) wurde heute das erste Mal gezückt.

„Arbeit ist mehr als das halbe Leben – sie ist zentraler Bezugspunkt unseres Lebens. Die Geschichte der Arbeit beginnt mit der Geschichte der Menschheit. Der Mensch muss arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Heute dient Arbeit nicht mehr ausschließlich der materiellen Existenzsicherung, sondern wirkt zudem identitätsstiftend. Spätestens seit dem Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft hat sich das lebenslang lernende und sich selbst optimierende Subjekt als Norm durchgesetzt. Kreativität, Flexibilität und Eigenverantwortlichkeit gelten als Schlüsselqualifikationen für beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg. Das trifft in besonderer Weise auf KünstlerInnen zu, die als Prototyp für den neuen, flexibilisierten und zur Selbstausbeutung konditionierten Menschen gelten.“

So lauten die einführenden Worte der aktuellen Schau <Playtime> im Kunstbau des Lenbachhauses. Zur Ausstellung gibt’s ein kostenloses E-Book. Übrigens, mein erstes, welches ich mir herunterlade und zu meinem Erstaunen völlig unkompliziert. 240 Seiten, prall gefüllt mit Informationen.

„Die Ausstellung Playtime knüpft an die in Jacques Tatis gleichnamigen Film geäußerte, feinsinnige Kritik der modernen Arbeitswelt an und stellt verschiedene Fragen: Wie setzen sich KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe mit dem Thema Arbeit auseinander? Was bedeutet künstlerisches Arbeiten heute? Und inwiefern unterscheidet sich künstlerische Arbeit von anderen Formen der Arbeit? Die Perspektiven und Methoden der eingeladenen KünstlerInnen sind vielfältig. Sie thematisieren nicht nur die Tätigkeit des Arbeitens selbst, sondern auch Normen und Handlungsvorgaben der Arbeitsgesellschaft. Sie verhandeln bestehende Herrschaftsverhältnisse und geschlechterspezifische Konventionen in der Arbeitswelt, befragen die Zusammenhänge zwischen Identität, Lebens- und Arbeitsverhältnissen. Sozialkritisch-engagierte Positionen der 1960er Jahre treten in Dialog mit aktuellen künstlerischen Werken, die heutige Arbeitsbedingungen reflektieren.“

Ich bin begeistert. Facettenreich kuratiert bietet die Ausstellung Videoinstallationen, Skulpturen, Fotos, Zeichnungen, Dias und Bilder rund um die Thematik der Arbeitswelt, in die der Besucher tief hinabtauchen kann. Es lohnt sich hier viel Zeit, sehr viel Zeit mitzubringen.

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