Review: CLOUDS – Schneekunst vs Kunstschnee

Clouds_unterwegsinsachenkunstSo schön kalt war es Mitte/ Ende Januar hier in München, perfekte Temperaturen für das Außenkunstwerk „CLOUDS“ des Künstlers Philipp Messner. Vielversprechend angekündigt und witterungsabhängig umsetzbar. Ein Schneefeld auf der Südwiese vor der alten Pinakothek – nicht Weiß; sondern Rot, Grün, Blau. Davon erfahren, habe ich allerdings erst durch den Hinweis der Inhaberin meines Stammkinderladens in der Nachbarschaft. Ach Urbanität ist herrlich – sie lebt. Ein Teil davon zu sein, dafür bin ich überaus dankbar.

Dankbar auch über den Schnee. Und wie schön er anzusehen war, der bunte Schnee – erst unberührt, dann kamen nach und nach die Laufspuren der Besucher, Schneeskulpturen entstanden, die Farbschichten durchmischten sich recht schnell, dann kam echter Schnee hinzu, um gegen Ende der kalten Tage nur noch eine plattgetretene,  zerklüftete, kristalline Eisdecke zu sein. Die Plusgrade erledigten dann ihr Übriges.

Drei Schneekanonen verwandelten dank beigemengter Lebensmittelfarbe im Wasserzulauf den Kunstschnee zur bunten Schneekunst.

Die Botschaft dahinter ist so einfach, wie komplex. Temporär, vergänglich, natürlich, unnatürlich und stetig im Wandel – ich bin dieser Kunst verfallen.

Unverblümt hält uns die malerisch bunte Schneelandschaft den Spiegel vor’s Gesicht – die Vorstellung von Künstlichkeit und Realität wird offensichtlich. Mit eigenen Augen ist plötzlich der künstlich erzeugte Schnee vom Echten zu unterscheiden. Die Sichtbarmachung ist zugleich Kommentar und Dekonstrukton dessen, was uns  – besonders in alpinen Skiregionen- als natürliche Umwelt in Weiß untergejubelt wird.

Der schleichende klimatische Wandel ist so schwer sichtbar. Das Festhalten am altbewährten so einfach. Genau wie das Wegsehen, ich schließe mich da keineswegs aus. Lediglich tragische Skiunfälle – wie der kürzlich der auf dem Feldberg, an dem zwei Männer tötlich verletzt wurden, als sie gegen einen Beschneiungsmast stießen- erinnern plötzlich im realen Leben wieder an die unnatürliche Unterstützung der Schneelandschaft.

Die Thematik der „Faszination der Alpen zwischen Touristenliebling und Klimaopfer“ ist nicht neu; sie immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, jedoch unendlich wichtig.  So erinnere ich mich noch gut an die Ausstellung „Alpen unter Druck“  im Alpinen Museum in München, die bereits vor über zehn Jahren dokumentarisch die Zerstörung durch den alpinen Tourismus schonungslos zeigte.

Derzeit und bis zum 23. April zeigt die ERES-Stiftung die Ausstellung „SNOW FUTURE. Die Alpen – Perspektiven einer Sehnsuchtslandschaft in Kunst und Wissenschaft“ mit Arbeiten von Hansjoerg Dobliar, Philipp Messner und Walter Niedermayr. Noch nicht gesehen, doch vielversprechend und temporär, wie die Komlexität der „CLOUDS“.

 

 

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2 Kommentare zu “Review: CLOUDS – Schneekunst vs Kunstschnee

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