Über die Ästhektik von Motoren

Es war diese Art von maskuliner Kunst, mit der ich nicht warm werde, doch irgendwas war anders.

 

Als ich das erste Mal mit seiner Kunst bewusst in Berührung kam, war ich ein wenig irritiert. Überwältigt von der Größe und der geordneten Unruhe in der Präsentation. Es war diese Art von maskuliner Kunst, mit der ich nicht warm werde, doch irgendwas war anders. Ich musste durch den Raum gehen, um weiter zu kommen und blieb hängen – über eine halbe Stunde lang. Verlor mich in einem überdimensionalen Wandteppich aus Flugzeugen, die wiederum aus lauter kleinen, ein großes Ganzes ergaben. Detailgenau in serieller Produktion und doch einzigartig, jedes Einzelne für sich.

Darüber hinaus, bewegten sich halbierte Motoren in einer derart, unheimlichen Ästhetik, dass ich mich kaum losreißen konnte. Untermalt mit einem stimmigen, rythmischen Soundteppich. Gleichförmig und betörend.

Soetwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. Die Rede ist von Thomas Bayrle.

Thomas Bayrle, der deutsche Pop-Art-Künstler schlechthin. Seine aufgetürmten Milchdosen und seine Rastergrafiken waren mir durchaus geläufig, doch die Tiefe und Hingabe, mit der er unserer Massenproduktion entgegentritt, sah ich bei der dOCUMENTA13, völlig neu.

Gute fünf Jahre später präsentiert das Lenbachaus in München alle bisher entstandenen Motorenwerke, fein aufeinander abgestimmt. Darüber hinaus eine 30 mal 5 Meter große Wandinstallation einer Autobahn, langgestreckt an der rechten Seite des Kunstbaus. Teils witzig kombiniert, kommen die skulpturalen Werke daher. Teils auch nur in ihrer einfach-komplex zusammengestetzten Schönheit. Dieser Sternenmotor misst circa 60 Umdrehungen pro Minute. Eine Geschwindigkeit, die das Auge gut mitverfolgen kann – fern ab der realen Motorengeschwindigkeiten, aber darum geht es hier ja auch ganz und gar nicht. Lohnenswert, sich in die Ästhektik von Motoren hinein zu vertiefen! Allerdings nur noch bis zum Sonntag, 5. März 2017.

Wer mehr über Bayerle erfahren möchte, dem lege ich die Dezember Ausgabe des ART-Magazins ans Herz. Hier erfährt der Leser was Jacquard-Webung mit Programmieren zu tun hat und warum Bayrle wie im Märchen vom Breitopf, den Brei der Massenproduktion unaufhaltsam geordnet überlaufen lässt.

 

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