Undefinierbare Verbindung

Ich weiß nicht warum, doch es scheint, als haben die Kunsthalle München und ich einen geheimen Pakt geschlossen. Pakt erinnert sofort an Faust: besessen, suchend, hinterfragend, verführbar und nie ankommend. Hier passt die Aktualität in den Kontext. Angekündigt für Anfang 2018, in einer sehr vielversprechenden Ausstellung <Du bist Faust!>, indem sich die Kunst mit Goethes Drama auseinander setzt, mehr noch – gleich ein ganzes Festival hat der Direktor Roger Diederen dazu initiiert.

Doch den Pakt, den ich meine, ist ein ganz unterbewusster. Er ist so eine Art undefinierbare Verbindung, die sich kurz vor Ende einer Ausstellung meldet – wie eine innere Uhr.

Sicher, es gibt Ausnahmen, so wie diese oder jene. Veranstaltungen oder Führungen, die aus der Marketingmaschinerie heraus anlocken. Auch hier ist der zeitliche Vorlauf, dass <darauf stoßen>, meist spontaner Natur. Bizarr. Sehr bizarr, das mich, beobachtender Weise, nur mit der Kunsthalle München vereint. Kennt Ihr derartige Verbindungen auch?

Wenig Verbindung habe ich zu den alten Meistern. Ein guter Grund, gerade deshalb mit ihnen in Verbindung zu treten. Schon lange schiebe ich dieses Thema vor mir her. Prokastinieren, mit störrischer Beharrlichkeit. Und Dank einer ganz anderen, wunderbaren Verbindung, der ich vor geraumer Zeit wieder begegnet bin, habe ich das vor-sich-her-schieben beendet. Am Samstag in der Ausstellung <SPANIENS GOLDENE ZEIT>.

Das 17. Jahrhundert -Siglo de Oro, das goldene Jahrhundert- eine Blütezeit der Maler El Greco, Velázquez, Murillo oder Zurbarán. Die Weltmacht Spaniens stand am Abgrund. Eine Zeit, in der die Inquisition tobte, in der man einer wissenschaftlichen Weltanschauung misstraute, in der Glaube der Wegweiser war. Die Bilder und Skulpturen erzählen vom himmlischen Dasein, von Heiligen, dem Erlöser.

Stattliche 100 Werke zählt die Ausstellung, geballt, in strukturierter Abfolge.

Der geschichtliche Kontext dieser Ära ist gleich zu Beginn wohlwollend, einprägsam aufgezeigt. So mag ich das. Ein Audioguide, der wie gewohnt auf Knopfdruck hintergründig, unterhaltsam begleitet, ohne sich aufzudrängen. Zwei Filme mit einer Gesamtspieldauer von satten 60 Minuten. Die Dichte und Tiefe der ausgestellten Arbeiten ist beachtlich und schlichtweg erschöpfend, sofern einen der Ehrgeiz ergreift, alles aufsaugen zu wollen. Ein unmögliches Unterfangen, das alles bei einem Besuch zu erfassen.

Ich suchte mir die hinaus, die ich greifen konnte. Wahllos, eingenommen und beseelt vom dämmrigen Gesamteindruck – was muss die Kunst wohl bei den Menschen damals ausgelöst haben?

Sie endet bereits diese Woche, <SPANIENS GOLDENE ZEIT>, am Sonntag, 26. März. Doch Zeit genug, in der letzte Woche, die Chance für einen Besuch zu nutzen –  das kann ich jedem ans Herz legen. Einfach einzutauchen in das Siglo de Oro, das goldene Jahrhundert, Spaniens.

 

 

 

 

 

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