WEtransForm Kunst und Design zu den Grenzen des Wachstums

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Höher, schneller, weiter. Es ist ein brisantes Thema – nah, sehr nah und scheinbar doch so weit weg. Der klimatische Wandel, die Endlichkeit der Ressourcen und die Folgen der Globalisierung.

GRENZEN DES WACHSTUMS?

Unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ schaffte es 1972 ein vom Club of Rome herausgegebenes Buch, den Fortschrittsglauben der westlichen Wohlstandsgesellschaften zu erschüttern. Die darin dargelegten Sorgen um das Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde sind mittlerweile in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. 30 Jahre später folgte ein update – Signal zum Kurswechsel.

Doch egal wie die Prognosen sich bewahrheiten werden –  es geht ein Wandel vor sich, wie beispielsweise diese fortlaufende Dokumentation eines beeindruckenden Zero-Waste-Selbstversuchs, das es auch anders geht. Verpackungsfreie Läden, wie dieser hier in München oder diese internationale Recycling Aktion einer rennomierten Bekleidungskette oder einfach nur das Ende der Plastiktüte? Beispiele gibt es viele.

Auch in der Kunst ist die Thematik unlängst angekommen. So ordnete Olafur Eliassons  Ende 2015 in seinem Projekt Ice Watch während der Zeit der UN-Klimakonferenz (COP 21) auf dem Pariser Place du Panthéon zwölf riesige Blöcke aus Grönlandeis in Form einer Uhr an. Die schmelzenden Eisblöcke – ein mahnendes Zeichen des Klimawandels. Oder jüngst das Außenkunstwerk „CLOUDS“ des Künstlers Philipp Messner vor der alten Pinakothek in München.

Nun widmet sich das nm in Nürnberg in einer tief beeindruckenden Ausstellung „WEtransFORM Kunst und Design zu den Grenzen des Wachstums“ diesen Themen und nähert sich in einer ganz eigenen Formsprache dieser komplexen Thematik. Über 30 international renommierte Positionen aus Kunst und Design sind hier versammelt. In sieben ineinandergreifenden Ausstellungsbereichen, treten zeitgenössische Werke in Dialog mit historischen Wegbereitern und treffen ebenso auf neue zukunftsweisende Perspektiven.

So wie die Installation vom Institute of Design Research Vienna (IDRV), die den ökologischen Fußabdruck eines Kunststoffstuhls mit Metallfüßen durch eine Menge von Wassereimern, Ölkanistern, Kohle und anderen Rohstoffen zeigt oder der „Tomatenfisch“ des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei aus Berlin (IGB), die ein hochtechnisiertes Kreislaufwirtschaftsprinzip, das eine optimierte Produktionen von Fischen und Gemüsen, die besonders ressourcenschonend ist, zeigen. Denn das mit Stoffwechselprodukten der Tiere versetzte Fischwasser, wird hier für die Pflanzenbewässerung genutzt. Somit reduzieren sich sowohl der Abwasseranteil aus der Fischprokution als auch die Menge Mineraldünger, die für die Planzen erforderlich ist. Die Fische werden quasi mit den Tomaten gefüttert.

Beeindruckend auch das Label „Livin Farms“ der Designerinnen Katharina Unger und Julia Kaisinger. Die „Livin Hive„, eine Farm für Mehlwürmer passt in jede Küche und ist eine äußerst innovative Alternative zu herkömmlichen Produktionsmethoden für tierisches Eiweiß (Rind, Schwein, Geflügel, Fisch etc. ). Sie besteht aus mehreren Schubladen in dem die Würmer mit Obstabfällen gefüttert werden, ihre verschiedenen Entwicklungsstadien durchleben, um am Ende ihres Reifungsprozesses dann durch Kühlung getötet werden.

Entspannend anzusehen auch „The Idea of a Tree“ des Wiener Designer-Duos mischer’traxler. Eine Entgegnung zur 24/7-Taktung unserer globalen Industrieproduktion. Hier werden die Wachstumsqualitäten von Bäumen auf eine solarbetriebene Maschine übertragen, die pro Tag ein einziges Möbelstück herstellt. Das Resultat ist dabei abhänging vom Standort und der Sonneneinstrahlung am Produktionstag: Wenig Sonne führt unwiderruflich zu einem geringeren Materialverbrauch und einem dunkleren Farbton und mehr Sonne zu einem helleren und höherem Verbrauch.

Etwas Skulpturaler und zeitgleich nützlich in der Ausstellung selbst, die „Wurstbänke“ des deutschen Künstlers Michael Beutler. Optisch angelehnt an die Idee der „Bauhaus-Klassiker“. Die  Sitzmöbel aus Recyclingstoffen, ziehen sich durch den ganzen Ausstellungsraum und schaffen zeitgleich Sitzfläche für die Besucher. Sozusagen „Kunst zum anfassen“ und mitmachen.

Die Ausstellung zeigt ein Sammelsurium aus alledem und noch weitaus mehr. Eine Führung, jeweils Samstags 15 Uhr und Sonntag 11 Uhr lohnt sich. Etwas unaufgeräumt kommt sie daher – Insellösungen; abgegrenzt und doch irgendwie verbunden. Der Stand der Auseinandersetzung mit der Thematik sieht genau so aus – unausgegoren, ein Forschungsfeld – breitgefächert. Es passt trotzdem. Alles.

Alles unter einen Hut zu bringen. Chapeau.

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Neues Museum Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg
WE TRANSFORM
KUNST UND DESIGN ZU DEN GRENZEN DES WACHSTUMS

vom 18. März bis 19. Juni 2016

Kuratoren:

Dr. Eva Kraus, Direktorin Neues Museum

Dr. Martina Fineder, Design- und Kulturwissenschaftlerin, Wien

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1 Kommentar zu “WEtransForm Kunst und Design zu den Grenzen des Wachstums

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