Die neue Wirklichkeit. Fotografie der Moderne.

Nachdem das Kölner Sammlerpaar Ann und Jürgen Wilde im Jahr 2009 bekannt gab, Ihre Fotoschätze als Stiftung an die Pinakothek der Moderne zu geben, gab es sicher jede Menge zu tun.

Die neue Wirklichkeit. Fotografie der Moderne. Aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.“ der erste Einblick in die Stiftungsbestände.

Neben rund 15 500 Abzügen und Glasplatten gehören dazu die Archive von Albert Renger-Patzsch und Karl Blossfeldt sowie eine 8000 Fotobände und Korrespondenzen der Fotografen.

Die Ausstellung zeigt Objektfotografien der Neuen Sachlichkeit. Wunderbar kuratiert: Außen geordnet – innen verspielt und absolut sehenswert.

Beginnend im Uhrzeigersinn:

Die Außenwände auf weißem Grund mit August Sander’s Portraitaufnahmen von Menschen des 20 Jahrhunderts: Bauern, Handwerker, Wissenschaftler und Künstler.

Darauf folgen Karl Blossfeldt’s (1865-1932) großformatigen Aufnahmen von getrockneten Schachtelhalmen und Disteln vor neutralem Hintergrund. Die Pflanzenstängel werden regelrecht zu Ornamenten; wirken wie Schmiedeeiserne Verzierungen und ganz und gar nicht wie Botanische Gewächse.

Dann die Bilder von Albert Renger-Patzsch (1897-1966), die sich durch  präzise Sachlichkeit und formale schmucklose Strenge auszeichnen. Ihn interessierte das Detail, er ist es auch, der die Produktfotografie für die Werbung vorantreibt. Eine Schale mit Kaffee, umgeben von Bohnen und der Kaffee Hag-Verpackung, der Ausschnitt von Treppenstufen vor einem Gebäude, ein Regal mit sauber angeordneten Schuhleisten. Ästhetische klare Aufnahmen.

Und Alfred Ehrhardt (1901-1984)  der sich in seinen Fotos mit dem Begriff der  Natur und den Konstruktionen des Natürlichen auseinandersetzte. Seine Aufnahmen aus der Reihe „Das Watt“ zeigen fließende natürliche Strukturen, die das Wasser im Sand hinterlassen hat. Das Spiel mit dem Sonnenlicht und nassem Sand wirken spektakulär in Perspektive und Betrachtung.

Innen auf grauem Hintergrund:

Aenne Biermann (1898 -1933). Charakteristisch für ihr Werk sind Makroaufnahmen von Personen und Gegenständen . Neben ihrer Tochter Helga, die auch das Motiv des Katalogs zur Ausstellung ist, sind Bilder menschlicher Arme, Beine zu sehen, Teile weiblicher Körper, ein Halbakt. Daneben Teile eines Konzertflügels, Tasten und Saiten.

Weiter mit Florence Henri (1893 – 1882). Sie entwickelte, basierend auf umfangreichen Experimenten mit Spiegeln und Prismen ein sehr eigenständiges Oeuvre. Kamera selbst ist in Ihren Spielgelbildern nicht zu sehen.

Germaine Krull (1897 – 1985) ebenfalls vertreten. Die Schwerpunkte ihrer fotografischen Arbeit waren die experimentelle Aktfotografie sowie die Werbefotografie, Sie beschäftigte sich auch mit den Zeugnissen der fortschreitenden technischen Revolution, Sie lichtete Maschinen, Kräne, rotierende Schwungräder und immer wieder die eiserne Kolossalität des Eiffelturms ab.

Aufnahmen von Werner Rohde (1906-1990). Seine surrealistisch anmutenden Inszenierungen mit Masken, Puppen und Menschen zeigen ein faszinierendes Spiel zwischen lebenden und leblosen Objekten. So setzt er eine Schaufensterpuppen so realistisch in Szene, dass es den Anschein erweckt, als sei sie lebendig, während eine Frau im benachbarten Bild die Züge einer leblosen Puppe trägt.

Und Friedrich Seidenstücker (1882-1966) mit Motiven aus dem Berliner Alltagsleben. Die Pfützenspringerin, Müllarbeiter oder Kinder in abgerissener Kleidung, die  um eine Wasserpumpe herum spielen.

Die Pinakothek will regelmäßig in 2-3 Jahresabständen Werke der Stiftung Wilde ausstellen.

Verantwortliche Kuratorinnen:
Dr. Inka Graeve Ingelmann
Leiterin der Sammlung Fotografie und Neue Medien
Dr. Simone Förster
Stiftung Ann und Jürgen Wilde

Weitere Details unter: http://www.pinakothek.de/kalender/2011-03-26/10535/die-neue-wirklichkeit-fotografie-der-moderne-aus-der-stiftung-ann-und-juer

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