Roy Lichtenstein The Red Horseman

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Roy Lichtenstein –The Red Horseman.

Sein Stil ist zweifelsohne unverkennbar, er zählt zu den bekanntesten Vertretern der Pop-Art.  Ein eigener Raum im Erdgeschoss des mumok ist gefüllt mit seiner Kunst. Doch genau dieses Werk in der ersten Etage von 1974 sprach mich außergewöhnlich an. Zum einen ist es das Motiv der Beschleunigung, pointiert in unserer permanent bewegten und immer schneller Informationen transportierenden Welt und dann das ungewöhnliche Motiv, das Lichtenstein in seiner Zeit wählt – es erinnerte mich sofort an Marcel Duchamps <Akt eine Treppe herabsteigend, No 2>. Klar zerpflückt, bewegend pointelliert. Der Focus auf dem Reiter in Blau. Untypisch für die Zeit, in der es entstand.

Dahinter -so die offizielle Erklärung- steht das gleichnamige Bild des Futuristen Carlo Carrá von 1913.

Selbst nur als Reproduktion begannt, zitiert Lichtenstein das berühmte Original nicht mehr als wertvolles Objekt der Hochkultur, sondern als beliebig verfügbaren Teil einer banalen Massenkultur, die nicht mehr zwischen populär- und Hochkultur differenziert.

 

Lichtensteins Polemik gegen die Utopie des futuristischen Bildes findet ihren Ausdruck in der kommerziellen Bildsprache der Benday-Rasterpunkte, der er das Vorbild unterwirft.

 

Im Zuge der Übertragung in ummodulierte Farben, gepunktete Schattierungen und starre Konturen friert Lichtenstein die Bewegung des Vorbilds gleichsam ein und hebt die malerische Dynamik auf. “

 

Formal gesehen kopiere ich natürlich, aber in Wirklichkeit stelle ich das kopierte Objekt anders dar. Dabei bekommt das Original eine völlig neue Textur, es sind nicht mehr dicke und dünne Pinselstriche, sondern Rasterpunkte, eintönige Farben und starre Konturlinien.

 

„Das Wirkt wie Antikunst, aber ich sehe das anders“ Voraussetzung für die Nivellierung von Trivial- und Hochkultur sind die Reproduktionstechniken, die es erlauben, einzigartige Originale massenweise zu vertreiben.

 

Schon 1936 prophezeit der Philosoph Walter Benjamin den Verlust der Aura, den Kunstwerke durch ihre Vervielfältigung erleiden würden. Das Ende ihrer Einmaligkeit und Originalität, die sie über das Alltägliche erhebt. Lichtensteins Werk wirkt wie eine Revision dieser These, wie der Pop Art Kritiker Lawrence Allowey konstatiert: „Roy macht das Zitieren zu einer ihm eigenen Form von Originalität“

Transferiere ich den Gedanken in unsere heutige Zeit, erscheint die These, eines beliebig verfügbaren Teil einer banalen Massenkultur, die nicht mehr zwischen populär- und Hochkultur differenziert, im Hinblick auf unser mediales Zeitalter und deren Vervielfältigungsmethoden geradezu unprätentiös. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis – die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen. Fortwährend. Unaufhaltsam das Fortschreiten – die Sicht auf Dinge, Bewegungen und Strömungen. Das ist gut, sehr gut sogar.

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