Cornelia Schleime in der Berlinischen Galerie

Es verging einige Zeit, bevor ich ihre Bilder endlich in einer Ausstellung betrachten konnte. Doch was ist schon Zeit, im Kosmos Leben, in dem sich jeder Einzelne in seinem ganz eigenen bewegt. Mal mehr, mal weniger bewusst der Vergänglichkeit entgegen.

Rückblickend betrachtet lediglich ein Wimpernschlag, wie so vieles. Cornelia Schleime – Malerin, Autorin, Performerin, Fotografin und nun auch Hannah-Höch-Preis Trägerin. Der Preis ist für ein künstlerisches Lebenswerk mit 25.000,- Euro dotiert.

Satte drei Stunden habe ich mich, inmitten dieser retrospektiv angelegten Ausstellung verloren. Bin in Dialog getreten, mit ihren farbgeballten Bildwelten –  energiegeladen, großflächig, geheimnisvoll. Die Räumlichkeiten in der Berlinischen Galerie ermöglichten beides – die Distanz sowie die Nähe.

Spiegelungen durch das mit Glas durchzogene Treppengeländer eröffneten weitere Dimensionen.

Hinzu kam ein offener Blick von der oberen Ebene. Das passiert nicht allzu oft. Ich war angetan von alledem. Angetan von ihren Fotoarbeiten, die herrlich ironische Auseinandersetzung mit Ihren Stasiakten, ihren Zeichnungen. Dank der Ausstellungstexte, kann ich mir nun auch die Affinität der Zöpfe erklären, die immer wieder in Schleimes Werken erscheinen. Ich habe betrachtet, aufgesaugt, gestaunt.

Gestaunt; über die dick aufgetragenen Farbschichten. Soetwas schafft nur ein Original. Größtenteils Acryl, Schellack, Asphaltlack – ein schwarzbrauner Lack, der meist als Abdecklack auf Metallen oder Glas verwendet wird, um vor chemischen Einflüssen zu schützen, doch bei ihrer Kunst greift er an – scheint wie geätzt.

Nur allzu gerne hätte ich mit meinem Fingernagel in die Dicke der Farbe gedrückt. Oh ja, sie sah so herrlich frisch aus – war sie sicher schon lange nicht mehr; Acrylfarbe trocknet schnell. Kunstgesinnte mögen jetzt vielleicht entsetzt über derartige imaginäre Anwandlungen sein.

Klar, dass das nicht geht; der Preis der Konsequenz wäre zu hoch. Beobachtungen erster Ordnung, wie es Luhmann so schön formulierte. Salopp gesagt; das lernen durch dritte. Kürzlich erst erprobt, von einer 91 jährigen Seniorin im neuen Museum in Nürnberg. Oh ja, ich bin immer wieder begeistert was Kunst für Emotionen frei räumt – sofern man sie zulässt.

Was löst bei euch die Kunst aus?

 

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