Hans Haacke: Gift Horse, 2015

Gift Horse

Hans Haacke: Gift Horse, 2015 Photo: Maximilian Geuter
© VG Bild-Kunst, Bonn
unterwegsinsachenkunst Hans Haacke: Gift Horse, 2015
Hans Haacke: Gift Horse, 2015 Haus der Kunst 2017
Installationsansicht / Installation view
Photo: Maximilian Geuter

Die aktuellen Frankfurter Börsenkurse auf einer Endlosschleife.

Die Schleife – schön dekorativ gebunden. Unermüdlich läuft das Zahlenband. Fortwährend, ununterbrochen, systemgesteuert. Es hat etwas vom Breitopf aus Grimms Märchen, in der, der Breitopf in einer beängstigenden Dimension läuft und läuft.

The Gift Horse von Hans Haacke. Ein Pferdeskelett; stolz, erhaben auf einem Sockel. Monumental zentriert steht es in der Mittelhalle im Haus der Kunst in München.

Ein Pferd ohne Fleisch, lediglich knöchern – gefühlsbefreite Gier.

Wie sollte es auch fühlen? Es ist ja bereits tot.

Ursprünglich entstand es 2015 im Auftrag der City of London als zehnter Beitrag für den Skulpturensockel „Fourth Plinth“ am Trafalgar Square. Damals mit den aktuellen Londoner Börsenkursen. Die Installation nimmt Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterstandbild von König Wilhelm IV., das ursprünglich für den Sockel vorgesehen war und soll das Zusammenwirken von Reichtum, Macht und imperialer Geschichte versinnbildlichen.

Hans Haacke; das letzte Mal kam ich mit einem seiner Werke auf der 56. Biennale in Venedig in Berührung. Ein Werk aus dem Jahre 1972, dass bis 2015 nichts an Aktualität verloren hatte. Damals hauchte noch ein durch Ventilatoren bewegtes blaues Tuch, dem Raum ein Hauch von Leben ein. Und heute? Wie lebendig ist das Zusammenspiel zwischen Algorithmus und Mensch am Markt? Was sind die Mechanismen? Wie funktionieren Systeme?

Es ist ein gefühlskaltes Schauspiel, eine schaurige Vorstellung, inmitten der wir uns bewegen.

Ich könnte stundenlang davor sitzen und einfach nur zusehen.

Erschreckend. Großartig.

 

 

 

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