Damien Hirst

Das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher suchten sich ein Thema und arbeiteten sich ein Leben lang daran ab. Bei Damien Hirst scheint es ähnlich.

Die Tate Modern in London widmet dem britischen Künstler derzeit eine Retrospektive. Wahnsinnig gespannt war ich auf die Ausstellung. Gespannt den Tigerhai vor Augen zu haben: < The Physical Impossibility of Death in the Minde of Someone Living>(Die physische Unmöglichkeit des Todes in der Vorstellung eines Lebenden) ein unglaublich treffender Titel oder <For the Love of God>, der mit diamanten besetzte Schädel – wann wird  nochmals die Möglichkeit sein, all diese Werke zusammen zu sehen?

Ebenso ernüchternd ging ich hinaus. Der Tod allgegenwärtig, die brutale Wucht der Vergänglichkeit schlug mir förmlich ins Gesicht. Eine beeindruckende und zugleich zutiefst schockierende Wucht. Konservierte Tierkadaver, wie man sie  aus Naturkundemuseen, Medizinischen Fakultäten oder Universitäten kennt. In Formaldehyd eingelegte ganze und zerteilte Schafe, Kühe, Haie, Fische, eine Taube. Ready-Mades, die in immer neuen Varianten auf den Kunstmarkt gebracht werden. Apothekenschränke und Vitrinen gefüllt mit Pillen, medizinischen Geräten –  bedrohlich, nüchtern wirkende Installationen. Punktebilder, Zigarettenstummel, aufgeklebte Fliegen, Schmetterlingsflügel, lebende Schmetterlinge, Schleuderbilder. Die Materialien prunkvoll, glanzvoll, teuer. Die Titel seiner Werke: einmalig. <What Goes Up Must Come Down> (Was hoch geht, muss auch herunter kommen). <Away from the Flock> (Weg von der Herde) ein Schaf, ebenso eingelegt in Formaldehyd wie < The Physical Impossibility of Death in the Minde of Someone Living> (Die physische Unmöglichkeit des Todes in der Vorstellung eines Lebenden). Die eigene Erkenntnis war erschreckend: der Tigerhai, als Tier nicht gerade ein Sympathieträger schockierte weniger, als das Schaf oder die zerteilte Kuh, die gerade mit einem Kälbchen trächtig war. Ein Leben, was nie das Licht der Welt erblickte, weil Hirst es zum Ready-Made erklärte. In Summe: ernüchternd. Schockierend, erschreckend, die eigene Vergänglichkeit so nah zu spüren.

Je weiter die Ausstellung in meinem Gedächtnis Platz einnimmt, umso mehr rückt sie in ein anderes Licht. Warum? Im Supermarkt in der Kühltheke – fein aufgereiht, frisches Fleisch. Die Realität dahinter? Die Anzahl? Das Ableben? Was ist da schon eine zerteilte Kuh oder ein Kälbchen dagegen?  Der Tod – das Leben – die Vergänglichkeit. Alles ist. Nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht ist Hirst doch näher an der Realität als ich Anfangs vermutete?

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