Künstlerin Lara Eckert Atelierbesuch

Liebt die Nahaufnahme: Lara Eckert

Ruhig sitzt Lara Eckert (*1984) neben ihrer Kaffeetasse auf der niedrigen Fensterbank. In ihrem Atelier in der Ganghoferstraße ist es warm und hell heute: Die von der Straße abgewandte Seite des Ateliers ist durchgängig mit hohen, bodentiefen Fenstern ausgestattet. Es gehört zum Komplex der neun Otto-Steidle-Ateliers. Die befinden sich unterhalb einer Fußgängerbrücke: von links nach rechts aneinandergereiht. 

Die Malerin trägt eine schwarze, schmale Hose, ein schwarzes T-Shirt, blau-graue schlichte Stoffschuhe. Die blonden Haare reichen über die Schultern. Aufmerksam guckt sie ihr Gegenüber mit ihren hellblauen Augen an und meidet große Worte, um über ihre Arbeit zu reden. Vergangenes Jahr hat sie die Akademie der Bildenden Künste in München als Meisterschülerin beendet. Seitdem ist sie freie Künstlerin. Auch wenn sie spricht, malt sie mit den Wörtern gerne Bilder. Im Nachhinein kommt ihr die Akademie wie ein großer Kreuzfahrtdampfer vor. Der organisiert seinen Gästen, also den Studenten, Ausstellungen wie etwa die große Jahresausstellung. Eine komfortable Situation. „In der Zeit nach dem Studium kommt man sich dann eher vor wie ein kleines Boot, zwischen all den anderen Booten. Jedes auf seinem eigenen Kurs“, sagt sie.

„Ölmalerei ist total meins“

Lara Eckert ist eine Malerin – und zwar im ganz klassischen Sinne, was Technik und Bildmotiv angeht. Sie malt mit Ölfarben, wie es schon viele Malergenerationen vor ihr erprobt haben. Wenn sie über ihre Ölfarben spricht, beginnt ihr Gesicht zu leuchten. Sie mag den Prozess unglaublich gerne, wenn sie ihre Farben mit Öl anrührt. Sie weiß, welche Farbe mehr Öl braucht, welche weniger. Sie findet den Prozess sehr sinnlich und sagt: “Ölmalerei ist total meins!” Ölfarben haben eine besonders hohe Strahlkraft. Maler schätzen sie, weil es sich mit ihnen besonders geschmeidig malen lässt. Zwar brauchen sie sehr lange, um zu trocknen, dafür sind sehr langlebig. 

Im schweizerischen Baden geboren, auf der deutschen Seite des Grenzgebiets aufgewachsen, macht Lara Eckert zunächst eine Ausbildung zur Grafikerin. Nach Ende der Ausbildung merkt sie recht bald, dass ihr das nicht reicht. Sie lernt die Klasse von Karin Kneffel an der Akademie der Bildenden Künste in Bremen kennen und merkt: “Hier umgeben mich ähnliche Geister”. Karin Kneffel war Meisterschülerin bei Gerhard Richter. Auch sie malt mit Öl und ist unter anderem für ihre in fast schon hyperrealistischer Art gemalten Stillleben bekannt. Als Karin Kneffel nach München geht, um dort an der Akademie zu lehren, folgt Lara Eckert ihr, wie es einige ihrer Kommilitonen tun. In ihrer Studienzeit in München bekommt sie zwei Kinder, die mittlerweile in die Grundschule gehen. 

“Man könnte ja sagen: Das wurde in der Vergangenheit schon so oft bearbeitet – wozu jetzt noch? Aber dann denke ich mir: Jetzt erst recht!” 

In den vergangenen Jahren hat sich Lara Eckert intensiv dem Thema Porträts gewidmet. Dabei wählt sie einen Ausschnitt, oft in extremer Nahsicht erzeugt mit ihrem Duktus eine tolle Stofflichkeit. In ihrer Arbeitweise geht sie folgendermaßen vor: Zunächst fotografiert sie ihr Motiv, wählt dabei schon den passenden Ausschnitt.  “Immer wieder bin ich fasziniert, dass auch nur ein allerkleinster Ausschnitt eine ganz eigene Stimmung transportieren kann” freut sich die Künstlerin. Mit Hilfe des Fotos fertigt sie eine Skizze auf der Leinwand an und fängt dann an, mit ihren Ölfarben zu malen. Manchmal hört sie dabei Radio oder ein Hörbuch. Sie mag aber auch sehr gerne Ruhe, um im Dialog mit ihrem Bild zu sein. Dabei muss das Bild letztendlich nicht dem ursprünglichen Foto entsprechen. Es ist vielleicht eher eine Starthilfe als eine strenge Vorlage. 

Atelier Lara Eckert München
Atelier Lara Eckert

Sie entwickelte die Porträt-Ausschnitte weiter, indem sie dabei stark mit Licht und Schatten arbeitete. Aktuell ist ihr Bildgegenstand Wolken. Lara Eckert reflektiert, dass sie sich für sehr klassische Bildthemen entschieden hat: Zunächst die Portraits, jetzt die Wolkenbilder. “Man könnte ja sagen: Das wurde in der Vergangenheit schon so oft bearbeitet – wozu jetzt noch? Aber dann denke ich mir: Jetzt erst recht!” Schließlich will Lara Eckert ja ihre Wolken malen und wie sie die Wolken sieht. Sie fasziniert das immaterielle der Wolken bei ihrer gleichzeitigen, scheinbaren Gewöhnlichkeit.

“Ideen und Inspiration müssen bei mir von Innen kommen”

„Ideen und Inspirationen kommen bei mir von Innen“, meint Lara Eckert. Sie ergänzt: “ Ein äußeres Motiv muss immer mit meinem Inneren korrespondieren, damit ich es zum künstlerischen Gegenstand machen kann.“ Eines ist sicher: Wer so einen starken inneren Kompass hat wie Lara Eckert, der bleibt bestimmt auch in Zukunft auf dem richtigen Kurs.

https://www.lara-eckert.com/

Instagram: laraeckert_

Text und Fotos: Lara Hoffmann 


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