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Michael Wesely – 1:100 Past and Present

Lässt sich die Zeit einfangen? Und wenn, wie sieht ein festgehaltener Moment aus, der eine Minute dauern kann oder eine Woche oder vielleicht sogar ein Jahr? Was ist flüchtig und was verschwimmt im Rückblick? Vielleicht ist das Geschehende auch gar nicht mehr sichtbar, so als wäre es nie da gewesen? Was ist, was bleibt?

Es gibt wohl keinen anderen Künstler der die Vergänglichkeit so poetisch und eindringlich in Langzeitbelichtungen einfangen kann, wie Michael Wesely.

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Foto: Michael Wesely

Im Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe hat er die Vergänglichkeit festgehalten. Ein ganzes Jahr lang, von September 2017 bis September 2018.

Herausgekommen ist eine Innenaufnahme des legendären Pavillons, die mit zwei weiteren Langzeitaufnahmen bis zum 13. Oktober in der Ausstellung 1:100 Past and Present im Mies van der Rohe Pavillon in Barcelona eindrucksvoll präsentiert werden.

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Foto: Michel Wesely – Mies van der Rohe Pavilion (13.9.2017 – 13.9.2018)

Was ist, was bleibt?

Einzigartig verdichtet rückt alles Bewegte in den Hintergrund. Zu erkennen sind lediglich flüchtige Spuren. Alles Unbewegte bleibt standhaft, so, als trotze es der Zeit. Die raumteilende Wand aus grünem Marmor, die Bodenplatten, die wie selbstverständlich durch die Glasfronten ins Außen fließen – alles scheint konstant im Barcelona-Pavillon, der 1929 anlässlich der Weltausstellung erschaffen wurde. Lediglich der Wechsel der Jahreszeiten der sich an den Bäumen im Park schemenhaft ablesen lässt und die fortlaufenden Sonnenbahnen lassen erahnen, was sich hier wohl alles in der Zeit bewegt haben muss. Ist das, was bleibt?

100 Jahre BAUHAUS – Wie blicken wir in 100 Jahren zurück?

Was gäbe es treffenderes, als im BAUHAUS Jubiläums-Jahr, der Frage Raum zu geben, wie wir wohl in 100 Jahren zurückblicken werden. Mehr noch, die Fragen zu erweitern und in einen zeitlichen Maßstab von 1:100 zu übersetzen? So treten bis zum 13. Oktober im bekannten Barcelona-Pavillon drei raumhohe Langzeitfotografien von Michael Wesely in Dialog. Alle samt aufgenommen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Den Auftakt gibt der einjährige Blick aus dem Pavillon. Wesely vergrößerte das Foto seitenverkehrt hinter Glas und montierte es so, dass die Spiegelung und das Bild vom Betrachter selbst in Einklang gebracht werden können.

Eine Hommage an Claude Monets Seerosenteich

Die zweite Arbeit entstand am Seerosenteich von Claude Monet in Giverny vom 15.5. bis 6.11.2016. Zur Weltausstellung 1929 hatte der Pavillon eine Seerosenbepflanzung. Die Arbeit von Michael Wesely verbindet und erinnert auf eine ganz eigene vergängliche Weise.

5 Minuten Rastlosigkeit

Die dritte Arbeit zeigt einen von einer Menschenmenge besetzte Bahnhofshalle in Neu Delhi. Die 5-minütige Aufnahme verdeckt im Pavillon den Blick auf die Georg Kolbe Figur „Der Morgen“ und nimmt sich statt derer den menschlichen Maßstab an. Aber selbst 5 Minuten sind für Menschen in Fotografien ein Zeitraum, in dem nur wenige identifizierbar abgebildet werden. Die Nutzarchitektur der Bahnhofshalle kontrastiert die Zeitlosigkeit des Pavillons, spannt den Bogen zu unserer Flüchtigkeit und verdeutlicht das Menschsein als eine stets rastlose und reisende Gemeinschaft.

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  • Was: 1:100. Past und Present
  • Wann: bis 13. Oktober 2019
  • Wo: im Mies van der Rohe Pavillon, Avda. Francesc Ferrer i Guàrdia, 7, Barcelone, Spain
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