25 Jahre Ostkreuz

 

MONTAGE SIND BESSER ALS IHR RUF

Montage sind besser als ihr Ruf – ich weiß, heute ist Dienstag,fast Mittwoch. Mit innerem Auge blicke ich zurück und denke gerade nach, über die Zeit und wie man sich in ihr bewegt, wen man begegnet in der Zeit und dass Begegnungen immer etwas in einem selbst Auslösen. Etwas in Bewegung setzen. Manches sofort und manches später. Erinnerungen wecken, die im aktuellen Betrachten sich ähnlich anfühlen und doch anders sind, da die Zeit eine andere ist. Erinnerungen waren es auch, die mich gestern, am Montag, gute fünf Jahre zurück katapultierten, obwohl  sie doch scheinbar längst in Vergessenheit geraten sind. Es war eine Ausstellung über Urbanität, vom werden und vergehen von Städten. Unglaublich tiefgründig. Vergänglich, in all ihren prächtigen, maroden Ansichten. Es waren die Fotografen der Agentur Ostkreuz, mit denen ich mich damals das erste mal intensiv auseinandersetzte.

Nun, fast sechs Jahre später, präsentiert die Kulturstiftung der Versicherungskammer Bayern im Kunstfoyer wieder die Fotografenagentur Ostkreuz und lässt Revue passieren, was in 25 Jahren so alles festgehalten wurde, was sich geändert und sich entwickelt hat.

TEILS IST ES WIE EIN TREFFEN MIT ALTEN BEKANNTEN

Teils ist es wie ein Treffen mit alten Bekannten, ein Wiedersehen, nur in anderem Kontext. Dann gibt es die Neuen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. So Heinrich Holtgreve, 1987 Jhg.,  der sich der spannende Frage; was ist <das Internet als Ort> stellt und vor dessen sechzehn Fotografien ich sehr, sehr lange stand. Sie förmlich aufsog, jedes einzelne für sich geradezu verinnerlichte. Vielleicht weil das ganze große Thema der digitalen Welt, noch so im Entstehungsprozess, ein berührendes Faszinosum für mich ist.  Doch was genau ist also dieses Internet und wie kann das Interent in Fotografien dargestellt werden? Zum einen aus der technischen Infrastruktur, die Server, über die Kontinente und Staaten verbindet. Unterirdisch und über den Meeresboden kommen sie in großen Knotenpunkten zusammen, <choke points> werden sie genannt, wenn sie geografisch geballt sind. Und wie sieht eigentlich ein Glasfaserkabel, dessen Volumen unvorstellbare Mengen an Daten übermitteln kann, im Querschnitt aus? Was ist das INNC? Das ECC Datacenter oder der DE-CIX? All diesen Fragen geht Holtgreve fotografisch auf den Grund. Spannend anzusehen, ein Ansatz – alles geballt auf einer Wand.

EIN LEISES, NAHEZU VOYEURISTISCHES PROJEKT

Und dann war da noch Werner Mahlers Langzeitprojekt, das mich festhielt. Einer der ersten der Agentur Ostkreuz. Seit 1977 fotografierte er Absolventen einer Oberschule aus Oranienburg in regelmäßigen Abständen bis heute. All die Fotografien schön kuratiert in einer Art Koordinatensystem, was ohnehin mein BWL-lastiges-Herz höher schlagen ließ. Jahr um Jahr, ab einem gewissen Ausgangspunkts des Jahres 1977. Einige verschwinden. Vielleicht durch Wegzug oder Tod? Andere altern mit all Ihren Hoffnungen, Erfolgen und/ oder Ihrem Scheitern. Es ist ein leises, ja nahezu voyeuristischen Projekt, das zum Nachdenken anregt, was von den eigenen erlebten, nahezu 40 Jahren so alles bleibt und was nicht. Die Vergänglichkeit in all Ihrer durchlebten, festgehaltenen Zeit. Großartig, in der kürze der Zeit und dank Dir Annett, gestern am Montag genutzt, an dem so viele andere Häuser geschlossen haben, Danke für den Anstoß, die gemeinsamen Stunden und den Austausch, den wir hatten.

 

 

 

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3 Kommentare zu “25 Jahre Ostkreuz

  1. Liebe Daniela, ein schöner Text zu dieser Ausstellung und interessant für mich, immer wieder, wie jeder seine Aufmerksamkeit auf das richtet, was etwas in ihm zum Klingen bringt. Mein Text dazu würde ganz andere Dinge ins Visier nehmen und wir haben trotzdem dieselbe Ausstellung besucht.Ich mag das. Schön war es. Danke! LG, Annett

  2. Pingback: zWANZIGsIEBZEHN - uNTERWEGSiNsACHENkUNST

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