Thomas Breitenfeld in seinem Atelier

Thomas Breitenfeld – der mit dem Material tanzt

Erstmal einen Kaffee machen. In der ersten Handlung, die Thomas Breitenfeld vornimmt, wenn er seinen Arbeitsplatz betritt, unterscheidet sich der Künstler nicht von einem Angestellten, der sein Büro betritt. Thomas Breitenfelds Atelier liegt im Glockenbach-Viertel, der Baumstraße 8. Es ist ein städtisches Atelierhaus, eine ehemaligen Strickwarenfabrik. Für fünf Jahre ist das helle Atelier mit den großen Fenstern seins, dann muss er sich um einen neuen Platz bemühen. Ohne Atelier geht es nicht: Sein Atelier ist eine Werkstatt in deren Mittelpunkt eine große Bandsäge, eine große Werkzeugmaschine steht. Die ist laut und staubt. Neben einer Werkbank und Unmengen von Werkzeugen lehnen halbe Baumstämme an der Wand.

thomas breitenfeld atelierbesuche
Thomas Breitenfeld muss für seine Sägearbeiten schwere Geschütze auffahren.

Setzt sich der 34-jährige Münchner dann an die Arbeit, läuft im Radio fast immer Bayern 2. Seine Augen leuchten, wenn er davon erzählt, was er alles lernt auf dem Sender, wo sich alles um Vermittlung von Kultur und Wissen dreht. Die Begeisterung fürs Lernen erklärt seinen Werdegang als Künstler.

Weil er ein sichtbares Produkt seiner Arbeit braucht und gerne mit seinen Händen arbeitet, absolviert er nach der Schule zunächst eine Lehre als Bronzegießer. Während der Lehre merkt er: Aufträge von anderen annehmen und umzusetzen, Kopien anfertigen, das reicht ihm nicht. Er will selber etwas machen. Und zwar so, wie er sich das vorstellt und beginnt deshalb eine Lehre als Holzbildhauer, weil er sich so den Weg zur künstlerischen Bildhauerei bahnen will.

Nach Ende dieser Ausbildung geht er an die Akademie der Bildenden Künste in München, wo er 2017 seinen Abschluss gemacht hat. Im Jahr zuvor konnte er sich schon darüber freuen, beim Europäischen Gestaltungspreis für Holzbildhauer den Inovationspreis einheimsen zu können. 

„Ein Fehler ist kein Fehler, sondern etwas, aus dem man lernen kann“

Seine hieb- und stichfeste handwerkliche Kompetenz ist die Basis für sein künstlerisches Schaffen. Neben Arbeiten aus Holz und Metall entwirft Thomas Breitenfeld Skulpturen aus farbigem Leim, Kunststoffen und aus Wachs.  Er spielt gerne mit den Materialien, will einerseits die Grenzen ausreizen, andererseits aber materialgerecht bleiben.

Sucht nach Wegen, wie er Dinge doch so in der Praxis angehen kann, wie er es sich in der Theorie vorstellt. Da tüftelt er dann, trial and error. Ein wichtiges Prinzip lautet von ihm: „Ein Fehler ist kein Fehler, sondern etwas, aus dem man lernen kann“, sagt Thomas Breitenfeld.

Ein weiteres grundlegendes Prinzip seiner Arbeitsweise beschreibt er so: „Ich lasse aus Fläche Volumen und Formen entstehen.“

Für seine Holzskulpturen wie etwa Inside-Outside (2016) sägt er aus einem Holzblock dünn gesägten runde Formen, die sich wie eine Ziehharmonika auseinander ziehen lassen. In der Skulptur werden die einzelnen Teile zu Formen zusammenaddiert, die organisch auf den Betrachter wirken und manchmal an den Panzer von Schalentieren erinnern. Die einzelnen Formen verbindet Thomas Breitenfeld sichtbar mit Klammern oder Stäbchen. Das Holz schleift er bewusst nicht ab, sondern lässt die Spuren seiner Arbeit sichtbar.

Der Schaffensprozess zählt, nicht die Theorie

„Ich will, dass das Holz zu mir spricht“, erklärt er. Deshalb wählt er für seine Arbeiten Holz mit Charakter aus, Douglasie zum Beispiel, wegen der schönen Maserungen. Oder geräucherte Eiche. Dazu passt, dass er sich über Astlöcher nicht ärgert, sondern versucht, in seine Arbeit zu integrieren. Konstruktionssoftware wie CAD   setzt er für seine Arbeiten bewusst nicht ein. Denn er findet, dass man es den Arbeiten ansieht, die so entstehen. Weil sie zu glatt, zu perfekt sind.

Ohnehin ist die Theorie so eine Sache für ihn. Zwar macht er sich in kleinen Heften grobe Skizzen, hält Erfahrungen fest, die er im Umgang mit bestimmten Materialien macht, berechnet etwas. Bei ihm entstehen die Arbeiten aber im Prozess. Er arbeitet gut, wenn er ein gewisses Tempo im Schaffensprozess beibehält. Wird er zu langsam, geht die Intuition flöten – nicht gut für die Arbeiten des Bildhauers.

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In seinem Skizzenheft hält Thomas Breitenfeld grob fest, wie er sich das Kunstwerk vorstellt.

Frisch von der Akademie muss sich der Meisterschüler Thomas Breitenfeld jetzt erst einmal aufstellen und weiter an seinem Netzwerk arbeiten. Für seine kommenden Projekte, einer Ausstellung in der historischen Schalterhalle des Starnberger Bahnhofs, tüftelt er schon wieder an etwas Neuem.

Und er hätte auch schon wieder Lust, ein ganz neues Handwerk zu lernen. Boote bauen zum Beispiel – herrlich! Ob er das ernst meint, mit dem Boote bauen, das weiß er wahrscheinlich selber noch gar nicht so richtig. Eines aber ist klar: Stehenbleiben will Thomas Breitenfeld nicht, sondern immer mehr lernen.

Text und Fotos: Lara Hoffmann

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